Das Griechenland-Theater

Das altbekannte Theaterstück wird neu aufgeführt. Die Rollen samt Intendanz sind gleich besetzt. Was kann der zahlende Zuschauer erwarten? Wolfgang Schäuble mimt den Hardliner. Der Bundesfinanzminister wird aber erneut klein beigeben – und die Bürger bezahlen lassen. Der CDU-Politiker versprach einmal, die „Rettung“ Griechenlands würde uns keinen Cent kosten. Formal ging bislang kein deutscher Steuer-Cent verloren, aber die „Sicherheiten“ für Hilfskredite sinken und wenn sie tatsächlich zurückgezahlt werden sollten, so haben die Kreditgeber erheblich an Kaufkraft verloren.

Vor der Bundestagswahl darf das nicht ruchbar werden, denn die Bürger könnten dann die Regierungskoalition abstrafen. Also muß die Verschleierungstaktik her: Griechenland mache wirtschaftliche Fortschritte, Sparprogramme seien beschlossen. Schäuble wird letztlich den Sirenenklängen der EU-Südstaaten nach solidarischem Beistand erliegen und des lieben Friedens Willen bezahlen – wie immer. Dabei wird geflissentlich vergessen, daß die Griechen weniger Steuern zahlen und ihr Medianvermögen pro Kopf – dank weitverbreiteten Immobilienbesitzes – laut einer EZB-Studie mit ca. 100.000 Euro fast doppelt so hoch ist wie das der Deutschen. Aber Deutschland ist doch der eigentliche Nutznießer der EU. Ist da nicht ein finanzieller Beitrag gerechtfertigt?

Die deutschen Arbeitnehmer sind gewiss keine Nutznießer des Systems. Ihr Lohneinkommen ist in Kaufkraft gerechnet und nach Steuern seit der Euro-Einführung praktisch kaum gestiegen – ganz im Gegenteil zu dem Einkommen der Griechen, Franzosen, Italiener oder Spanier. Die Schäuble-Wähler vergessen zudem die No-bailout-Klausel und die Tatsache, daß das Verursacherprinzip zum Ordnungsrahmen der Marktwirtschaft gehört, der unseren Wohlstand ermöglichte. Im Jahr 2010 hätte ein Neuanfang Griechenlands ca. 60 Milliarden Euro gekostet. In der Zwischenzeit ist das Vielfache geflossen.