10 Jahre nach der Finanzkrise

Die Wirtschafts- und Finanzkrise jährt sich zum 10. Mal. Ein Blick zurück sollte sich lohnen: Die Gründe der damaligen Finanzkrise waren Kredite im Immobilienbereich: Ein Hauskauf war ohne Eigengeld und ohne persönlichen Haftungsdurchgriff möglich. Diese Kredite wurden in Anleihen verpackt, mit einem Gütesiegel versehen, und weltweit als „Asset Backed Securities“ (ABS) verkauft. Als die Immobilienblase platzte, verloren auch diese Anleihen rapide an Wert.
Durch den Wertverfall der Immobilien waren die Kredite nicht mehr ausreichend besichert und die Anleihen nicht mehr werthaltig. Banken gerieten in Schieflage. Zugleich konnten sich Anleger/Spekulanten bei entsprechenden Instituten gegen den Ausfall von Schuldnern durch Credit Default Swaps (CDS) „versichern“ . Der volkswirtschaftliche Verlust des Immobiliencrashs stieg dadurch noch weiter an.

Staaten sahen sich genötigt, Banken mit Steuergeldern zu retten. Das sollte nie wieder vorkommen. Und heute?
Heute sind es keine Immobilien, sondern Autos, die jeder in den USA ohne Bonitätsprüfung auf Kredit kaufen kann. Zahlt der Kunde die Zinsen und Tilgungen nicht, so spielt das angeblich keine Rolle, denn das Auto dient als Sicherheit. Das Problem ist nur: Wenn viele Autos wegen Zahlungsunfähigkeit der Besitzer zusätzlich auf den Markt kommen, dann werden die Autopreise rapide sinken. Damit sinken auch die Sicherheiten für vergebene Kredite – wie damals bei der Immobilienkrise!

Das Volumen der Autokredite in den USA hat die 1200-Milliarden-Marke überschritten. Werden die Ausbildungskredite und Kreditkartenschulden hinzugerechnet, sind die US-Haushalte schon wieder höher verschuldet, als vor der Finanzkrise. Die Volumina der ABS sind heute 30 % höher als im Krisenjahr 2008. Die Zahl der überfälligen (notleidenden) Kredite ist bei 3,9 % aller Kredite angelangt und damit derzeit tiefer als 2008. Mit zunehmenden Zinsen werden die Ausfallraten jedoch steigen.

Das Problem: Um die Kredite zahlbar zu halten, werden die Kredite immer weiter gestreckt. Der Tilgungsanteil sinkt. Es dauert deswegen immer länger, bis der (Rest-) Wert des Autos den (Rest-) Kreditwert übersteigt. Die Risiken für die Kreditgeber steigen also. Wie bei der Immobilienkrise gibt es auch heute wieder CDS, die im Falle des Falles die volkswirtschaftlichen Risiken erhöhen. Steht uns also eine erneute Krise bevor?

Für die USA ist das nicht ausgeschlossen. Doch beträgt das Auto-Kredit-Volumen lediglich etwa 1/8 des Immobilien-Kredit-Volumens. Autos sind mobiler und könnten auch im Ausland verkauft werden, was den potentiellen Preisdruck dämpfen würde. Doch wäre sicherlich die Autoindustrie betroffen UND der US-Arbeitsmarkt, denn Arbeitnehmer ohne Auto können ihren Arbeitsplatz wegen der schlechten öffentlichen Infrastruktur in den USA nur schwer erreichen.

Meine Vorstellung: Bankeneinlagen sollten zu 100 % vor einer Bankeninsolvenz geschützt werden, etwa indem Sparkonten von Banken in Sondervermögen gehalten werden müssen. Wenn Banken mit fremdem Geld arbeiten möchten, dann sollten sie eigene Bankaktien oder Bankanleihen – unter der Aufsicht der BaFin – verkaufen und den Erlös entsprechend einsetzen.