Macron fordert mehr Mut zu Europa und gefährdet gleichzeitig Europa

Dr. Bruno Hollnagel kommentiert die jüngsten Äußerungen des Französischen Präsidenten:

Emmanuel Macron fordert von Deutschland mehr Mut und mehr Anstrengungen bei der Reform für Europa. Dazu fragen wir, was für eine Reform meint er damit. Er meint, dass Deutschland mehr Geld für die EU zahlen solle, selbst aber verliert er kein Wort darüber, welchen Betrag Frankreich zusätzlich zu zahlen bereit ist. Macron sprach außerdem von einem „Fetischismus“ für Budget- und Haushaltsüberschüsse. Über diese Aussage lohnt es sich, einige Worte zu verlieren: Fetischismus bedeutet in der Psychologie, sich an etwas zu klammern, von dem man meint, dass ihm helfende oder schützende Kraft innewohnt bzw. in der Völkerkunde ein (irrationaler) Glaube an magische Kräfte eines Gegenstandes. Tatsächlich halten wir es aber gerade für rational und richtig, einen ausgeglichenen Haushalt anzustreben, und wir halten es auch für richtig und wichtig Schulden, abzubauen. Beides ist nämlich die Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften, und kein Fetischismus. Wenn Macron das ablehnt, so lehnt er damit nachhaltiges und solides Wirtschaften ab. Unsolides Wirtschaften darf aber kein Ziel Europas sein. Was hier von Macron in Szene gesetzt wird, ist in höchstem Maße unverantwortlich. Es gefährdet die Zukunft Europas.