Nebelkerzen

In der Mitteilung der Kommission[1] vom 14.3.2018 ist zu lesen, dass der Bruttowert der „faulen“ Kredite (NPLs Non-Performing Loans) Griechenlands im dritten Quartal 2017 46,7 % des Gesamtbruttowertes der Kredite und Rückstellungen betrug. Der Gesamtwert der Rückstellungen für Verluste wurde mit gerade einmal 49,1 % des Gesamtwertes der zweifelhaften und Not leidenden Kredite veranschlagt. So ist in den oben zitierten Bericht auch zu lesen, dass Not leidende Kredite nach wie vor ein Risiko für das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität Europas darstellen. Es ist also Gefahr in Verzug. Gemäß der EZB sind EU-weit notleidende Kredite im gesamten Volumen von 910 Milliarden € zu verzeichnen[2]. Am 5.5.2018 war beim Spiegel online zu lesen, dass Griechenlands Banken den EZB-Stresstest bestehen. Das muss doch sehr verwundern. Immerhin ist zu bedenken, dass Rückstellungen – soweit sie tatsächlich erfolgten – zu Lasten des Kernkapitals der Banken gehen.

Sollte der EZB-Stresstest nur Nebelkerzen werfen, um die tatsächliche Lage zu verschleiern?

Nehmen wir das Beispiel Italien[3]: Dort hat der Buchhändler Frinelli in drei Jahren 11 Mio. € Verluste gemacht – und bekommt 50 Mio. € Kredit. Zu einem Zinssatz unterhalb dem Zinssatz, den erstklassige Unternehmen bezahlen müssen. Desgleichen auch mit dem Bekleidungshändler Benetton. Die Firma hat seit 2012 240 Mio. € Verluste gemacht und bekommt einen erheblichen Kredit unter dem Marktzins. Solche Firmen werden als Zombie-Institutionen klassifiziert. Sie können die Kredite nur bedienen, weil sie fast keine Zinsen zu zahlen haben. Es ist zu befürchten, dass – wie in Japan in den 1990er Jahren – Banken schlechte Kreditnehmer am Leben erhalten, statt Verluste hinzunehmen und in zukunftsträchtigere Geschäfte zu investieren.

Das Problem der Zombie-Kredite: Sie sind nur bei Niedrigstzinsen Überlebensfähig. Zugleich sind Banken, in Relation zu den von Ihnen eingegangenen Risiken, unterkapitalisiert. Es besteht die akute Gefahr, dass in einer Phase der Zinssteigerung es zu einer Kettenreaktion kommt, an deren Ende Bankeninsolvenzen und ein Konjunkturkollaps steht. Zinssteigerungen sind abzusehen: In Amerika sind Zinserhöhungen zu beobachten. Die FED hat für dieses Jahr mindestens zwei weitere Zinssteigerungen angekündigt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Fondsmanager Geld aus dem Null-Zins-Euro in den Dollar umschichten. Dann wird es in Europa zu einem starken Zinssteigerungsdruck kommen.

Es ist  ein entschiedenes Eingreifen der Politik gefordert. Die derzeit eingeleiteten Schritte sind ungenügend. Ein entsprechender Antrag ist von mir auf den Weg gebracht.

Es wäre jetzt geboten die Kapitalverflechtungen der Banken drastisch zu reduzieren und die Bankenunion NICHT umzusetzen (durch die Bankenunion wird nur ein Ansteckungsmechanismus installiert). Zudem müssten die Banken gesetzlich zu höheren Eigenkapitalquoten verpflichtet werden – z. B. durch Kapitalaufstockungen über die Börse.

[1] An das europäische Parlament, den europäischen Rat, den Rat und die europäische Zentralbank – zweiter Fortschrittsbericht über den Abbau moderner Kredite in Europa –

[2] ebenda

[3] https://www.nytimes.com/2016/08/19/business/dealbook/italian-banks-continue-to-lend-to-stagnant-companies-as-debt-pile-mounts.html?_r=0