Unveröffentlichtes Interview der JF mit Dr. Bruno Hollnagel: Italien – Ausstieg aus der EU?

Unveröffentlichtes Interview der Jungen Freiheit 5/2018 mit Dr. Bruno Hollnagel zur Zukunft Italiens in der Europäischen Union.

JF: Glauben Sie, dass die neue italienische Regierung versuchen wird, aus dem Euro auszutreten?

Dr. Bruno Hollnagel: Italien ist mit 130 % seines BIP verschuldet. Das ist weit mehr als die Konvergenzkriterien und die Stabilitätskriterien zulassen, und übersteigt weit die nachhaltig zu tragende Verschuldung (ca. 80 % des BIP). Ich vermute, dass Italien mit dem Ausstieg aus dem Euro nur droht, um den Euro-Fetischisten (wie Deutschland) höhere Subventionen abzupressen.

Zudem dürfte Italien nicht in der Lage sein, bei einem Austritt aus der EU seinen negativen Target-2-Saldo in Höhe von 310 Mrd. € (gegenüber Deutschland) auszugleichen. Auch wenn es die 250 Milliarden € Schulden von der EZB erlassen bekäme, wäre es dazu nicht in der Lage.

Was wären die Folgen für Deutschland? Was wären die Folgen für Italien? Was wären die Folgen für die EU?

Was würde mit Italien geschehen, wenn es aus dem Euro ausstiege? Zunächst würde Italien eine neue Währung bekommen, die abgewertet werden würde. Geringere Produktionskosten in Italien durch einen günstigen Wechselkurs würden es zwar wettbewerbsfähiger machen. Zugleich aber würden Italiens Schulden in Euro entsprechend steigen; so sehr dass das Land faktisch zahlungsunfähig werden würde. Italienische Banken, die sehr viele italienische Staatsanleihen besitzen, würden in der Folge davon insolvent werden. In einer Kettenreaktion würden erst italienische, dann – wegen der kapitalmäßigen Verflechtung – andere europäische Banken zusammenbrechen. Die in der Haftungsunion miteinander verketteten Banken würden mit in den Abgrund gerissen werden. Ergebnis: Zusammenbruch des europäischen Bankenwesens. Die Wirtschaft Europas würde kollabieren.

Glauben Sie dass das gelingen wird?

Ich glaube, dass die blinde Eurogläubigkeit Deutschlands die Bundesregierung dazu bringen wird, Italien durch Schuldenerlass oder mehr Subventionen entgegenzukommen. Natürlich ist das keine Lösung. Die Probleme werden nur verschoben und sich damit letztlich vergrößern und Deutschland zusätzliche Lasten aufbürden.

Nach Herrn Bandulet ist die EU eine reine Transferunion und ein „Monster“. Kann diese EU sinnvoll weiter entwickelt werden, so dass auch Deutschland tatsächlich profitiert?

Ich halte Europa für eine Haftungsunion, in der Deutschland so dumm ist, die Hauptrisiken zu tragen. Irgendwann wird man auf die Haftungszusagen pochen. Dann wird die Rechnung gestellt. Irgendwann kommt immer die Rechnung. Und unter dem Stichwort Harmonisierung und Solidarisierung dürfte sich Deutschland munter weiter ausplündern lassen. Das hat eine Ursache: Deutschland hat noch immer nicht seine eigene Interessen formuliert und artikuliert. Wer seine eigenen Interessen aber nicht wahrnimmt oder sie gar überhaupt nicht formuliert, wird zum Spielball fremder Interessen. Genau das geschieht zurzeit.

Nachträgliche Ergänzungen nach dem Interview von Dr. Hollnagel:

Was wäre, wenn Italien aus dem Euro ausstiege?

Italien würde eine neue Währung bekommen. Diese Währung würde abgewertet werden und Italien wettbewerbsfähiger machen. Zugleich aber würden die Schulden in Euro entsprechend steigen. Würde die neue italienische Währung um 30 % abwerten, würden die Euro-Schulden für Italien (in der neuen Währung Italiens gerechnet) um ca. 43 % steigen. Die Zahlungsfähigkeit Italiens würde weiter sinken. Staatsanleihen verlören an Wert. Italienische Banken, die sehr viele italienische Staatsanleihen besitzen, würden in der Folge davon wahrscheinlich insolvent werden. Wegen der kapitalmäßigen Verflechtung würden in einer Kettenreaktion nach italienischen dann auch andere europäische Banken Schaden nehmen. Wäre die Bankenunion Realität, dann würden die miteinander verketteten Banken mit in den Abgrund gerissen werden. Ergebnis: Zusammenbruch des europäischen Bankenwesens. Die Wirtschaft Europas würde kollabieren oder mit riesigen Mengen neu gedruckten Geldes künstlich am Leben erhalten – zu Lasten der Sparer, deren Vermögen beschleunigt an Wert einbüßen würde.
Ausweg: Deutschland sprengt die Haftungsketten, indem es den Euro-Verbund verlässt.