Dr. Hollnagel: Das Rätsel der Frau Yellen

Frau Yellen hat im Zusammenhang mit der letzten Zinsentscheidung der FED eingeräumt, dass es ihr ein „Rätsel“ sei, dass trotz guter Konjunktur- und Arbeitsmarktlage die Inflation nicht nennenswert ansteigt. [1] Sie räumte ein, dass der Fed bei ihren Inflationsmodellen Fehleinschätzungen unterlaufen sein könnte. [2] Die Fed hält den Zins derzeit in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent, signalisiert aber eine weitere Erhöhung noch in diesem Jahr.

Dieses Rätsel ist leicht zu lösen:

In den USA herrscht zwar offiziell Vollbeschäftigung, doch dürften die Arbeitslosenzahlen weitaus höher liegen, als es die offiziellen Verlautbarungen vermuten lassen. Kritikern zufolge erscheinen über 90 Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter überhaupt nicht in den Statistiken. Zudem leben viele Menschen „auf Pump“, können also gar nicht mehr Geld ausgeben, selbst wenn sie es wollten. Bei Zinsen, die in den USA nun zu steigen beginnen, sinkt ihre Kaufkraft. Bei sinkender Kaufkraft sind aber eher deflationäre, statt inflationäre Tendenzen, zu erwarten.

Generell ist festzuhalten, dass es zu einer steigenden Inflation nur kommen kann, wenn die Importpreise (vor allem für Rohstoffpreise) steigen, die Massenkaufkraft entweder durch Lohnsteigerungen, oder höheren Beschäftigungsstand steigt, und es keine Zukunftsängste gibt, die zur Kaufzurückhaltung ermahnen.

Also ist es nicht verwunderlich, dass die Inflationsrate nicht in dem Maße steigt, wie es Frau Yellen offenbar erwartet hat.

[1] https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/09/21/federal-reserve-leitet-ende-der-wertpapierkaeufe-ein/

[2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-09-29/yellen-s-preemptive-strike-on-inflation-keeps-rate-hike-on-track