Heimtückische Ratschläge

Schon im Vorfeld einer neuerlichen (möglichen) Finanzkrise soll Deutschland die Schuld zugeschoben werden. So zumindest interpretiere ich die Aussagen des Volkswirts des IWF, Maurice Obstfeld. Er meint[1], dass die „unverhältnismäßigen“ Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands das Risiko einer Finanzkrise befördere. Er fordert von Deutschland, den „fiskalischen Spielraum“ auszunutzen, um durch höhere Staatsausgaben die heimische Nachfrage z. B. durch Investitionen in Infrastruktur oder Digitalisierung zu erhöhen. Auch sollen Firmen zu Investitionen in der Heimat bewegt, die Lebensarbeitszeit verlängert, und höhere Lohnabschlüsse erwirkt werden.

Dazu stelle ich fest:

Maurice Obstfeld will längere Lebensarbeitszeiten in Deutschland. Die damit verbundene Mehrleistung würde den Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands noch weiter erhöhen. Das gilt auch für Effizienz steigernde Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung.

Er will höhere Staatsausgaben – aus noch mehr Steuern finanziert. Was aber der Staat bekommt, muss den Bürgern genommen werden. Er fordert also weniger Freiheit für deutsche Steuerzahler, obwohl wir doch schon exorbitant hohe Steuern zahlen.

Dabei ist die deutsche Fiskalpolitik bereits extrem expansiv. Die Bundesregierung gibt die Rekordsteuereinnahmen sofort wieder aus. Eine Risikovorsorge für schlechte Zeiten, z. B. im Rahmen eines forcierten Schuldenabbaus, erfolgt nicht. Die Bunderegierung fährt bereits Vollgas – und Obstfeld verlangt noch mehr. Das kann nicht zielführend sein.

Die angesprochenen Ungleichgewichte resultieren nicht nur aus hohen Leistungen (z. B. Deutschlands) einerseits, sondern auch aus geringen Leistungen andererseits. Warum fordert er also nicht die Wettbewerbsfähigkeit durch mehr Investition, Innovation und Lebensarbeitszeit in den USA zu steigern? Weil Leistungen von anderen zu fordern leichter ist, als sie selbst zu erbringen.

Er will, dass Deutschland weniger leistet, um Exporte zu drosseln. Er fordert also eine Reduzierung des deutschen Lebensstandards, damit der amerikanische steigt.

Resümee: M. Obstfeld, Ökonomieprofessor (University of California in Berkeley), will Deutschland wirtschaftlich schwächen, um die USA zu stärken. Außerdem ist es aus amerikanischer Sicht bequemer, Forderungen an andere zu stellen, statt selbst die Ärmel hoch zu krempeln. Kurz gesagt: Obstfeld betreibt politischen Opportunismus.

Was ist aber nun die wirkliche Lösung? Deutschland braucht – wie zu Wirtschaftswunderzeiten – eine starke (eigene) Währung, die neue DM. Sie würde den Leistungsüberschuss dämpfen, ohne aber den Wohlstand einzuschränken: der Leistungsüberschuss würde die neue D-Mark steigen lassen, wodurch sich Reisen und Importe verbilligen und Ausfuhren teurer werden. Wie zu Wirtschaftswunder-Zeiten bekämen die Deutschen mehr für ihr Geld. Dies würde den Wohlstand der deutschen Bürger steigern. Prof. Karl Schiller nannte dies die Sozialdividende der Währungsaufwertung.

Eine Währungsaufwertung würde gerade auch den Rentnern Vorteile bringen. Das deutsche Rentenproblem ist i. w. der schwachen Kaufkraft des Euro geschuldet.

Beispiel:

Die neue DM steigt um 10 %. Wertschöpfung in Deutschland 28 %, im Ausland 72 %. Ergebnis: Ein VW Golf würde im Ausland 2,8 % teurer und um Inland 7,2 % billiger.

 

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/article180625446/Aussenhandel-IWF-gibt-Deutschland-Mitschuld-an-Handelskonflikten-und-Crash-Risiken.html