Ende der Normalisierung – die Geldillusion

Die Federal Reserve (FED) hat den Prozess des kontinuierlichen Zinsanstiegs gestoppt. Auf halbem Weg zur Zinsnormalisierung steigt die FED auf die Bremse. Das ist kein gutes Zeichen; denn offenbar kann das Finanzsystem normale Zinsen nicht tragen. Die Kombination Schuldenhöhe und normale Zinsen sind offenbar nicht kompatibel. Das Schuldgeldsystem stößt auf Grenzen. Es sieht so aus, als könne das System nur noch durch dauerhafte Eingriffe (neues Schuld-Geld zu tiefen Zinsen) funktionsfähig gehalten werden.

Zum Ende 2019 wird der Umfang des FED Portfolios (unter anderem Staatsanleihen und Hypothekenpapiere) 17 % des Bruttoinlandsproduktes ausmachen (vor der Krise waren 8 %). Das Wirtschaftswachstum war also größtenteils Kreditfinanziert. In Zeiten einer drohenden Rezession haben die Zentralbanken – auch in Europa – ihre Handlungsspielräume eingebüßt. Als einziges Instrument blieb ihnen das Gelddrucken.

Wir erinnern uns: früher, als hohe Kreditrisiken zu hohen Kreditzinsen führten, gab es einen natürlichen Ausgleich zwischen Chancen und Risiken. In Zeiten der willkürlichen niedrigen- und Nullzinsen ist dieser Mechanismus außer Kraft gesetzt. Die Folge: Kapital wird fehlgelenkt. Risiken brauchen nicht mehr durch hohe Anleihezinsen bezahlt zu werden. Unternehmen und Unternehmungen – auch mit zweifelhaften Gewinnchancen – wurden finanziert. Und das schon seit vielen Jahren. Das Volumen gefährdeter Kredite ist unvorstellbar hoch. Heute haben wir eine große Zahl sogenannter Zombie-Unternehmen. Das sind Unternehmen, die nur noch deswegen existieren, weil sie kaum Zinsen zu zahlen haben. Ein Zinsanstieg würde sie in den Konkurs treiben. Das musste nun auch die FED erkennen und hat den Zinsauftrieb gestoppt. Im Ergebnis zahlen seit langem Sparer die Zeche, weil sie für ihr Erspartes keine Zinsen bekommen, aber zugleich durch die Inflation Kaufkraft verlieren. Bisher waren Aktien- und Immobilienbesitzer die Profiteure. Ob das so bleibt?

Es stellt sich die Frage, wann erkannt wird, dass ein Geldsystem, das eine beliebige Geldschöpfung ohne hinreichende substantieller Basis ermöglicht, eine Geldillusion ist.