Betriebsrenten – die 111 Milliarden

Zweifellos ist die betriebliche Altersvorsorge eine wichtige Säule für die Renten in Deutschland. Doch wie ist es um sie bestellt, angesichts geringer Zinserträge? Dass es negative Überraschungen geben kann, haben schon die Eigentümer von Kapitallebensversicherungen und Sparverträge erleben müssen: da die Erträge oftmals geringer waren als Einbußen durch Inflation, Steuern und Verwaltungskosten, mussten sie Kaufkraftverluste hinnehmen.

Um was geht es? Für viele Arbeitnehmer (ca. 50 % der Angestellten) stellt die betriebliche Altersvorsorge (Betriebsrenten) eine wichtige Säule ihrer Altersvorsorge dar. Geraten jene in eine Schieflage, kann es zu Problemen kommen. Zwei Möglichkeiten sind zu unterscheiden: feste Zahlungsversprechen und freiwillige Leistungen. Im Einzelnen gibt es im Wesentlichen folgende Möglichkeiten:

  1. Die Pensionszusagen können darin bestehen, dass
    1. entweder bestimmte Pensionen zugesagt worden sind (das führt zu definierten Zahlungsverpflichtungen an die Aktionäre)
    1. oder dass bestimmte Beträge von den Firmen in einen entsprechenden Topf einzuzahlen sind und die Pensionsansprüche von den Erträgen abhängig sind.
  2. Unternehmen können Betriebsrenten
    1. in Pensionskassen oder Direktversicherungen ausgliedern oder
    1. selber dafür einstehen, wobei entweder feste Rentenzahlungen oder beitragsorientierte Zahlungen zugesagt werden.
  3. es gibt auch eine Mischform, bei der die Unternehmen ihren Mitarbeitern gewisse Einzahlungen auf entsprechende Stellen oder auch gewisse Renditen zusagen. Meist sind die zugesagten Renditen „konditioniert“ – etwa dadurch, dass sie in ihrer Höhe an der Verzinsung des Kapitals gekoppelt sind.

Es kann nun zu folgenden Problemen kommen:

  • die kalkulierten (Zins-) Erträge sind kleiner als erwartet (z. B. wegen eine tieferen Zinsniveaus) oder
  • die Menschen werden älter und haben dadurch länger Ansprüche/Versorgungsbedarfe.

Die Pensionäre gehen Risiken durch geringe (Zins-) Erträge oder einen durch höhere Lebenserwartung gesteigerten Finanzbedarf ein, wenn die Punkte 1.2 oder im Fall 3 bei durch (Zins-) Erträge konditionierten Pensionszusagen gegeben sind.

Risiken treffen Firmen bei Zinssenkungen und längerer Lebenserwartung in den Fällen 1.1, 2.2 und ggf. 3. Die festen Pensionszusagen können dann Gewinne belasten und somit zu Lasten einer Risikovorsorge oder der Forschung und Entwicklung und somit zu Lasten der Zukunftssicherheit der Unternehmen gehen. Es kann zu Finanz-Lücken kommen, wenn die Firmen zu geringe Vorsorge getroffen haben oder die Erträge geringer ausfallen, als sie kalkuliert haben.

Resümee: Personen, die eine betriebliche Altersvorsorge haben, können bei Niedrig- oder gar Negativzinsen ggf. erhebliche Verluste erleiden. Eine Prüfung der Situation erscheint für diesen Personenkreis geboten.

Quelle: Die Welt 12. 10. 2019: Zwei Effekte machen die Betriebsrente zu tickenden Zeitbomben

https://www.welt.de/finanzen/verbraucher/plus201770096/Riesige-Pensionsluecken-Ist-Ihre-Betriebsrente-noch-sicher.html