Schwere Mängel im System

Lohnentwicklung, Arbeitslosigkeit

In den Nachkriegsjahren führten hohe Investitionen zur Vergrößerung und Modernisierung der Kapitalstöcke von Unternehmen. Das führte zu umfassendem Wirtschaftswachstum, an dem auch die Arbeitnehmer durch steigende Realeinkommen partizipierten. Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges war der hohe Nachholbedarf, die hohe Motivation – Leistung hat sich gelohnt – und die Umsetzung marktwirtschaftlicher Prinzipien.

In neuerer Zeit ist zu beobachten, dass sich das Wirtschaftswachstum markant abgeschwächt hat, und das Realeinkommen deutlich weniger stieg, als die Produktivität. In den letzten 20 Jahren war zu beobachten, dass die Reallöhne der unteren Einkommensklassen sogar abnahmen. Dabei ist besonders anzumerken, dass Sozialversicherungsbeiträge von den Reallöhnen abgezogen werden müssten. Der Median der Realeinkommen ist seit vielen Jahren praktisch unverändert geblieben. Bemerkenswert ist auch, dass die Beschäftigten ihr höchstes Einkommen mit 40-45 Jahren erreichten.

Ganze Bevölkerungsschichten – zunehmend auch der Mittelstand – kämpfen heute gegen den Abstieg.

Es ist zunehmend eine verdeckte Arbeitslosigkeit zu beobachten; denn wer einige Stunden Teilzeitarbeit leistet, wird nicht als arbeitslos angesehen, auch wenn er durch seine Arbeit nicht genügend zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes verdient.

Der Rückgang der Industrie ist prägnant. Ganze Regionen sind wirtschaftlich im Niedergang begriffen. Eine lebenslange Festanstellung, die früher die Norm war, ist heute Ausnahme. Heute sind Teilzeitjobs, Zeitverträge, Arbeit auf Abruf, und Scheinselbstständigkeit weit verbreitet. Das Ergebnis: eine unsichere Zukunft bis hin zu Existenzängsten.

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das für Ausgleich sorgen könnte, ist offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Vorsorgesysteme

Weltweit sind Altersvorsorgesysteme akut unterfinanziert. Das gilt sowohl für Kapitalstöcke – sie leiden ganz besonders wegen der extrem tiefen Zinsen unter dem Mangel an kalkulierbaren /sicheren Renditen – als auch für Umlagesysteme, die an den demografischen Entwicklungen scheitern.

Bei Umlagesystemen soll Zuwanderung helfen. Das scheitert praktisch an der ungenügenden Qualifikation (Sprache, Ausbildung) und der viel zu langen Zeiträume, die erforderlich sind, um diese Mängel auszugleichen. (zur Zeit Regelleistungsberechtigte ca. 2 Mio. Ausländer, etwa 12,9 Mrd. € Hartz-IV im Jahr[1]) Die Idee einer längeren Arbeitszeit ist in der Regel keine Lösung, weil Arbeitgeber kaum bereit sind, Personen über 65 weiter zu beschäftigen oder gar neu einzustellen.

Betriebliche Pensionskassen, wie auch Lebensversicherungen usw., sind bei der gegenwärtigen Zinssituation nicht in der Lage, die geplanten – und zur Altersvorsorge erforderlichen – Erträge zu erwirtschaften, ohne dabei unverhältnismäßig hohe Risiken einzugehen. Garantieren Unternehmen für die Pensionszahlungen, so können die Ansprüche der Pensionäre sogar die Unternehmensexistenz gefährden – denn diese müssen bei mäßiger Ertragslage der Pensionskassen aus Gewinnen oder gar der Substanz des Unternehmens bezahlt werden.

Eine Studie der G-30 Staaten veranschlagen den ungedeckten Finanzbedarf der Altersvorsorgesysteme auf 15,8 Billionen $ für 21 Länder im Jahre 2050 (zu heutigen Preisen)[2].

Alle Vorsorgesysteme, die die Verantwortlichkeit auf den Staat übertragen, unterliegen einem systematischen Fehler: Sie vernachlässigen die Eigenverantwortlichkeit. Indem der Staat verantwortlich ist, entmündigt er die Bürger.

Gesundheitssysteme

Eine besondere Stellung bei Sozialsystemen nimmt das Gesundheitswesen ein. Es ist eine weitere Kostenexplosion zu erwarten: die chronischen Krankheiten werden in den nächsten Jahrzehnten explosionsartig ansteigen. Das wird wegen der heute zu beobachtenden Übergewichtigkeit jugendlicher Personen – die zum Teil sogar unter Adipositas leiden – prognostiziert.

Überschuldung

Die explizite (sichtbare) Verschuldung und die implizite Verschuldung (ungedeckte Zahlungsverpflichtungen des Staates gegenüber seinen Bürgern) beträgt in Deutschland Ende 2019 7,6 Billionen €.[3] Das sind ca. 20 Bundeshaushalte. Dieses Geld muss der Staat erst noch vereinnahmen, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Es ist zu bezweifeln, dass er dazu in der Lage sein wird – insbesondere, wenn es zu konjunkturellen Abschwächungen kommen sollte.

Die Annahme, dass Verschuldungen die Wirtschaft beleben, ist pauschal betrachtet nicht richtig: Eine Kreditexpansion hat dann keine dauerhafte wirtschaftsbelebende Wirkung, wenn das Geld statt in Investitionen in den Konsum fließt, oder dazu dient, Verluste auszugleichen.

Sowohl die Altersvorsorgesysteme, als auch viele Banken, sogenannte Zombie-Unternehmen[4] und Staaten sind, in Relation zu den Risiken, völlig unterkapitalisiert.

Mangelhafte wirtschaftliche Effizienz durch die Politik

Die Politik mischt sich immer mehr in das Wirtschaftsgeschehen ein. Beispiel Umweltpolitik: statt bestimmte Standards schrittweise (planbar) einzufordern, subventioniert die Politik einerseits – aus der Staatskasse, also aus den Taschen der Bürger – bestimmte Technologien oder Verfahren, und belastet andererseits das Ungewollte durch Abgaben. Durch solches Vorgehen, das nicht ergebnisoffen ist (!), werden Kapitalströme willkürlich gelenkt – ohne Rücksicht auf Effizienz und zukünftige technologische Entwicklung. Doch die Überfischung der Meere wurde nicht dadurch aufgehalten, dass Fischkonsum besteuert und Fleischverzehr subventioniert wurde, sondern dadurch, dass Fangquoten eingeführt wurden.

Statt Rahmenbedingungen vorzugeben, meint die Politik, tatsächliche oder vermeintliche Fehlentwicklungen durch planwirtschaftliche Instrumente beheben zu müssen. Eine solche Politik vertraut aber nicht mehr auf die Prinzipien der Marktwirtschaft und deren Wirkungszusammenhänge, sondern auf Planwirtschaft, vernichtet Ressourcen, und führt zu Kapitalfehllenkungen. Sozialistische Staaten belegen diese Aussage.


[1] https://www.n-tv.de/ticker/Zahlungsansprueche-auslaendischer-Hartz-IV-Empfaenger-gestiegen-article21479267.html

[2] https://www.dasinvestment.com/oekonomen-warnen-158-billionen-dollar-luecke-im-rentensystem/

[3] https://www.pkv.de/presse/meldungen/generationenbilanz-billionen-schulden-fuer-kuenftige-beitragszahler/ Allein in den Sozialversicherungen sind die „unsichtbaren Schulden“ auf rund 5,6 Billionen Euro gewachsen. 

[4] die nur deswegen nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommen, weil die Zinsen so tief sind.