Sinkende Kreditneugeschäfte – ein Warnsignal!

Das Handelsblatt zeigt sich überrascht, dass das Geschäft der Banken mit Neukrediten deutlich langsamer wächst als zuvor – die KfW-Volkswirte rechnen im laufenden Vierteljahr sogar mit einem Rückgang von 2,5 % – und sucht nach Erklärungen.

Versteht man die Zinsen als Preis für verliehenes Geld, so könnte man annehmen, dass das Kreditneugeschäft bei sinkenden Zinsen (also sinkendem Preis) gemäß dem klassischen Preisbildungsgesetz steigt. Es kommt aber nur dann zur Kreditaufnahme, wenn dies für beide Seiten – den Kreditnehmern und Kreditgebern – wirtschaftlich von Interesse ist. Die Kreditnehmer erwarten, dass sie das ausgeliehene Geld gewinnbringend einsetzen können, wozu ein entsprechender Bedarf gegeben sein muss. Dieser reduziert sich entweder bei Marktsättigung oder bei steigender Unsicherheit, die zur Zurückhaltung mahnt. In diesem Fall werden weniger Investitions- und Lagerkredite benötigt. Die Banken müssen mit den niedrigen Zinsen nicht nur die Kosten, sondern auch die Risiken abdecken. Das wird umso schwerer, je niedriger die Zinsen sind. Auch hier mahnt eine schwächer erwartete Konjunktur zur Zurückhaltung.

Kreditnachfrager und -Anbieter sind also bei einer schlechteren Konjunkturprognose weniger geneigt, neue Kreditgeschäfte abzuschließen. Der Rückgang des Kreditgeschäftes trotz niedriger Zinsen kann also als frühes Warnsignal gewertet werden.

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/kfw-kreditmarktausblick-neugeschaeft-der-banken-mit-krediten-waechst-deutlich-langsamer/25396156.html