Warum die geldpolitischen Maßnahmen von Fed und EZB aktuell nicht mehr wirken können

Die amerikanische FED hat die Leitzinsen um 0,5 Prozent gesenkt. Die EZB fühlt sich unter Druck gesetzt, ebenfalls eine (weitere) Zinssenkung vorzunehmen. Die Frage ist, ob solche Maßnahmen in der derzeitigen Situation sinnvoll sind, um die Konjunktur zu beleben.

Die geldpolitischen Maßnahmen zielen auf ein größeres Angebot auf dem Kreditmarkt zum Zweck der Anregung der Investitionen und des Konsums.

Die Kernfrage ist: Was sind die Voraussetzungen dafür, dass Investitionen getätigt und Konsumkredite in Anspruch genommen werden?

Investitionskredite werden in Anspruch genommen, wenn sie sich für die Investoren lohnen. Dabei sind die Kreditbedingungen (im Wesentlichen der Zinssatz) nur ein Parameter. Investiert wird nur, wenn zudem die Möglichkeit besteht, ein Mehr an Produktionen (an Qualität oder Menge) absetzen zu können, und es muss auch die (finanzielle, personelle und technologische) Fähigkeit gegeben sein, diese Nachfrage befriedigen zu können. Die letzten Punkte sind zwar wichtig, werden aber von geldpolitischen Maßnahmen nicht beeinflusst.

Die gegenwärtigen Situation ist gekennzeichnet durch:

  • eine weitgehende Marktsättigung (im Gegensatz zum Mangel),
  • die Störung der Lieferketten[1] durch das Corona-Virus mit der Folge von Störungen volkswirtschaftlicher Strukturen und Lieferengpässen
  • eine allgemeine Unsicherheit (Altersarmut, Wandel des Berufslebens).

Auch hier sind expansive (Zinssenkungen) geldpolitische Maßnahmen nicht wirksam!

Die Situation der potentiellen Nachfrager ist derzeit von einer fast panischen Angst geprägt, die durch das Corona-Virus ausgelöst ist. Unsicherheit und Zukunftssorgen haben immer wirtschaftsdämpfenden Charakter; denn dann erscheint die Vorsorge dringender als der Konsum. Ein Vorsorgemotiviertes Sparen trifft faktisch alle Branchen; in Zeiten des Corona-Virus aber insbesondere die Reisebranche und Großveranstaltungen. Geldpolitische Maßnahmen, insbesondere Zinssenkungen, dämpfen Zukunftssorgen nicht, sondern führen eher dazu, dass noch mehr gespart wird, da die Zinseinkommen sinken.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die neuerlich von der FED ergriffene Zinssenkungs-Maßnahme in der jetzigen Situation volkswirtschaftlich praktisch unwirksam ist.


[1] Lieferketten, die über Krisengebiete laufen, sind unterbrochen. Dadurch sind viele weitere Branchen betroffen.