Corona-Pandemie

Es erscheint angezeigt, nun eine tiefergehende Betrachtung zu den Auswirkungen des Corona Virus anzustellen (s. Artikel vom 2.3.2020).

Die finanzpolitische Vorgeschichte

Wir erleben derzeit einen Börsencrash, der oft mit der Krise 2008 gleichgesetzt wird. Doch die Ursachen sind sehr unterschiedlich: Damals bestand die eigentliche Ursache in der (politischen) Absicht, auch wenig vermögenden Personen den Besitz einer Wohnimmobilie zu ermöglichen. Dies wurde dadurch möglich, dass nicht der Immobilienbesitzer selbst für die Kredite haftete, sondern ausschließlich die Immobilie.[1] Damit war das Verursacherprinzip – nach dem der Akteur für sein Handeln persönlich zur Verantwortung gezogen wird – gebrochen. Das war so lange unproblematisch, wie die Immobilienpreise stärker stiegen, als die Kosten für Hypotheken.

Damals waren die Zinsen weltweit auf Talfahrt und die Anleger suchten Hände ringend Anlagemöglichkeiten. Diese Situation nutzten Institute, in dem sie Hypotheken bündelten und verbrieften, um sie dann weltweit zu verkaufen. Die große Nachfrage nach diesen Anlagen verleitete die Institute dazu, das Immobilien-Hypothekengeschäft aggressiv zu puschen, wodurch die Nachfrage nach Immobilien nachhaltig stieg. Doch wegen der mangelhaften Transparenz der Anlageprodukte und deren fehlerhaften Risikobewertungen durch Ratingagenturen, konnten Anleger das Chancen/Risikoverhältnis nicht sachgerecht beurteilen. Die (zu niedrigen) Zinsen spiegelten die Risiken nicht in angemessener Weise wider. Die wurden erst offensichtlich, als die Immobilienpreise nicht mehr weiter stiegen. Die ersten Anschlussfinanzierungen konnten aus Mangel an Werthaltigkeit nicht durchgeführt werden. Vereinzelt mussten Häuser verkauft werden. Eine Abwärtsspirale begann sich zu drehen – sinkende Preise, zunehmende Kreditausfälle, Zwangsverkäufe, usw. Die Immobilienblase platzte. In der Folge gerieten Kreditgeber in Schieflage. Sie wurden von Staaten gerettet, die sich zur Finanzierung der Rettungsaktionen selbst verschuldeten. Es kam zur Staatsschuldenkrise.

Um aus der Schuldenklemme herauszukommen, senkten die Zentralbanken weltweit die Leitzinsen zum Teil bis unter Null. Die EZB kaufte zusätzlich in ganz großem Stil Anleihen auf. Sie diktierte dadurch die Zinshöhe.

Unter üblichen Marktbedingungen einer freien Marktwirtschaft orientiert sich die Höhe der Zinsen an dem Chancen/Risiko-Verhältnis: Je höher das Risiko, desto höher muss der Preis für Geld – der Zinssatz –  sein. Das Zinsdiktat der EZB zerstört diesen Mechanismus. Die Kredit-Zinsen sind in Relation zu den Risiken unverhältnismäßig tief: Die Risiken der Kreditgeber werden durch die (zu) niedrigen Zinsen nicht mehr gedeckt. Damit hat der Zins seine natürliche ausgleichende kapitallenkende Funktion verloren und bringt den Finanzmarkt in Unordnung.

Das Zinsdiktat der EZB ermöglichte zwar den Staaten, ihre hohen Schulden zu bedienen, doch hat die Zentralbank damit ihr Pulver verschossen: In einer wirtschaftlichen Krise würde sie die Zinsen nicht mehr weiter senken können, um so die Konjunktur zu stimulieren.

Die Staaten hatten es versäumt, die niedrigen Zinsen – und damit die Zinsersparnisse – zu nutzen, um ihre Schulden abzubauen. Die enormen Zinseinsparungen verwandten die Regierungspolitiker dazu, sich durch eine generöse Ausgabenpolitik an der Macht zu halten.

Auch viele Konzerne verhielten sich nicht besser: Die billigen Kredite nutzen viele Manager nicht dazu, in zukunftsträchtige Technologien zu investieren, sondern sie kauften Aktien auf Kredit. Aktien sowohl von den Firmen, die sie selbst managten, als auch Aktien der Konkurrenz. Unter anderem dadurch stiegen weltweit die Aktienkurse. Zugleich stieg aber auch die Verschuldung der Firmen weit stärker als die Wertschöpfung.

Zugleich ließen die tiefen Zinsen die Ertragsquellen der Banken erodieren: für ihre Kredite erhielten sie nicht einmal den Zinsertrag, der zur Abdeckung der Risiken nötig gewesen wäre. In dieser angespannten Situation verlangt die EZB – selbst für die vorgeschriebenen Mindestreservesätze – negative Zinsen. Sie will damit die Banken in Kreditengagements zwingen.

Die Situation am Beginn der Coronapandemie

Im Gegensatz zur Subprime- und Staatsschuldenkrise ist der aktuelle Krisenauslöser ein Virus, dessen wirtschaftliche Auswirkungen aber durch verfehlte Finanz- und EZB-Politik verstärkt wird.

Der Virus hat seinen Ausgang in Wuhan. Wuhan ist die Hauptstadt der Provinz Hubei mit ca. 8 Mio. Einwohnern. Sie steht unter den Weltwirtschaftsmetropolen auf Platz 45. Es ist der industrielle Schwerpunkt Chinas mit Motor-, Schiffs- und Flugzeugbau, Maschinen-, Textil- und Chemieindustrie. Die Corona-Pandemie hatte ihren Anfang wahrscheinlich auf einem Fischmarkt im chinesischen Wuhan, wo der Virus von einem Wildtier auf Menschen übersprang. Das geschah im Dezember 2019. Am 21. Januar 2020 wurden 100 neue Fälle diagnostiziert. In Wirklichkeit waren es zu dem Zeitpunkt aber schon 1500. Zwei Tage später, am 23. Januar, erkennen die Verantwortlichen die Gefahr. Man handelt konsequent: Wuhan wird unter Quarantäne gestellt. An dem Tag gibt es offiziell 400 neu infizierte, tatsächlich waren es aber wahrscheinlich 2500. Der Nahverkehr wird eingestellt, Flughafen und Bahnhöfe geschlossen. Schon einen Tag später werden 15 weitere Städte abgeriegelt. Dadurch kann die Ausbreitung der Epidemie verlangsamt werden. Wie Modellrechnungen zeigen, erreichen die Neuinfektionen am 26. Januar die höchsten Werte.

Das alles hat wirtschaftliche Folgen: Auf der einen Seite werden Lieferketten unterbrochen, so dass bestimmte Produkte nicht mehr geliefert werden können (Angebotsschock). Auf der anderen Seite kommt es zu einem Nachfrageschock; denn die Nachfrage sinkt einerseits, weil Menschen weniger verdienen (Kurzarbeit, vorübergehende Schließung von Produktionsstätten) und andererseits, weil sie aus Angst wenn möglich lieber Sparen als zu konsumieren. Hinzu kommt, dass auf staatliche Anweisung hin bestimmte Angebote wie Reisen, Messen, öffentliche Veranstaltungen usw. untersagt sind. Das Ganze dämpft die (Welt-) Konjunktur.

Zwischenzeitlich tauchte das neue Virus praktisch auf der ganzen Welt auf. Besonders betroffen sind Spanien, Italien, Frankreich und die Schweiz. Auch in den USA und Neuseeland treten erste Fälle auf. Nun spricht man von einer weltweiten Verbreitung, von einer Pandemie. Angst macht sich breit.

Als die Pandemie auf die Weltwirtschaft trifft, ist diese völlig überschuldet[2]. Bezeichnend dafür ist, dass es viele Zombie-Kredite gibt: Kredite, die nur wegen der außergewöhnlich tiefen Zinsen nicht notleidend sind. Zudem haben die Zentralbanken ihr Pulver verschossen; denn die ohnehin tiefen Zinsen können nicht noch weiter gesenkt werden. Hinzu kommt, dass der aufgeblähten Geldmenge keine adäquate Wirtschaftsleistung gegenübersteht. Die überschüssige Geldmenge floss in den Immobilien- und Aktienmarkt und hatte dort zu hohen Preissteigerungen geführt (selektive Inflation). Entsprechend nervös reagieren die Märkte und die Politik.

Anleger flüchten aus den Aktien: beispielsweise stand der DAX am 28.2.2020 bei 13.789. Am 11.3.2020 nur noch bei 9.161. Das ist ein Minus von über 33 %. Weltweit wurden Aktienbesitzer binnen drei Wochen um ca. 18 Billionen Dollar ärmer. Das muss aber noch nicht das Ende sein. Immerhin verloren die Aktienkurse in der Finanzkrise 2008f gegenüber den damaligen Höchstpreisen über 50 %.

Wirtschaftshilfen werden aufgelegt. In England 35 Mrd., in Italien 25, in Japan 13 und in Deutschland 12 Mrd. Euro. Die EZB kündigt am 13. März an, ihre Anleihen-Aufkauf-Programme wieder zu aktivieren und will 120 Mrd. Euro auf diese Weise in den Markt pumpen. Veranstaltungen werden abgesagt, Geschäfte dürfen nicht öffnen, Bars, Schwimmbäder, Spielplätze, Kinos, Theater bleiben geschlossen, Fußballspiele werden abgesagt, Veranstaltung bleiben aus, Ausstellungen werden abgesagt und bestimmte Grenzen sind nur mit Sondergenehmigungen passierbar.

Dann gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Hilfsangebote bekannt: Kurzarbeitergeld wird flexibler, Stundungen von Steuerzahlungen werden möglich, Vorauszahlungen können gesenkt werden, Liquiditätshilfen und Förderkredite für Unternehmen werden angeboten, Exportgarantien werden möglich, über Hotlines bietet die Regierung Beratungen an. Die Europäischen Kommission initiiert eine „Corona Response Initiative“ (25 Mrd. €).

Was kommen wird, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Doch die überschuldeten Staaten, sowie die Zombieunternehmen, in Kombination mit der Tatsache, dass die Zentralbanken ihre Munition schon verschossen haben, lassen Schlimmes erahnen.


[1] Es kam zu den sogenannten „Nina“ Krediten: No income no assets, also Hypotheken auf Immobilien von Personen, die weder über Einkommen, noch über Vermögenswerte verfügten. Ermöglicht z. B. durch die halbstaatlichen Institute Funny Mae und Freddy Mac.

[2] siehe oben