EZB-Kryptowährung

Offenbar denkt nun auch die EZB über Kryptowährungen nach[1]. Was bewegt sie dazu?

Unter Währung sind die in einer Wirtschaftsregion gültigen Münzen und Banknoten, und das damit staatlich geregelte Geldwesen eines Landes, zu verstehen. Geld – Bestandteil einer Währung – sind die in einem Wirtschaftsraum gültigen Zahlungsmittel.

Zunächst soll hier kurz auf die Funktion des Geldes, der dazu nötigen Eigenschaften und die Geldarten eingegangen werden, bevor die Frage beantwortet werden kann.

Damit Geld Geld ist, muss es bestimmte Funktionen erfüllen:

In einem Währungsgebiet muss es jeder als universelles Tauschmittel akzeptieren. Damit die verschiedenen Güter und Dienstleistungen gegen Geld eintauschbar sind, muss es ein Wertmaßstab / eine Recheneinheit sein. Und es muss als Wertaufbewahrungsmittel dienen können.

Damit diese Funktionen erfüllt werden, muss Geld bestimmte Eigenschaften besitzen. Es muss:

  1. wertstabil sein; denn sonst würde es weder als Zahlungsmittel anerkannt sein, noch als Wertaufbewahrungsmittel taugen.
  2. teilbar sein, um dem Wert des gehandelten entsprechen zu können,
  3. allgemein akzeptiert sein, damit Geld von jedem für jedes getaucht wird. Das sollte auch unter den verschiedenen Währungen gewährleistet sein, um Handel unter unterschiedlichen Währungsräumen zu ermöglichen,
  4. universell auch bezüglich des Tauschortes sein, weswegen Transportabilität gegeben sein muss,
  5. kompakt sein, um größere Mengen tauschen zu können,
  6. knapp in Relation zu den handelbaren Gütern und Dienstleitungen sein (was beim Euro in Frage steht),
  7. in der Menge in Relation zum Handelsumfang steuerbar sein, um Währungsstabilität gewährleisten zu können,
  8. anonym sein, um die Freiheit des Tausches zu gewährleisten,
  9. fälschungssicher sein.

Betrachten wir nun Krypto-Geld – hierbei handelt es sich um ein digitales Zahlungsmittel, das durch Verschlüsselung erstellt wird – können wir feststellen, dass einige Bedingungen, die Geld erfüllen muss, nicht erfüllt sind, nämlich:

  • die Universalität bezüglich des Ortes (Punkt 4), da Krypto-Geld einen IT-Anschluss benötigt,
  • die Anpassung an das Handelsvolumen (Punkt 6), wenn – wie geschrieben wird – daran gedacht wird, das Krypto-Geld mengenmäßig zu begrenzen – und
  • die (Freiheit gewährleistende) Anonymität (Punkt 8). Sie ist nicht gewährleitet, weil die Besitzverhältnisse bei Krypto-Geld lückenlos nachzuverfolgen sind.

Wenn also Krypto-Geld kein ideales Geld ist, stellt sich die Frage, was die EZB dazu bewegen könnte, über eine Kryptowährung „nachzudenken“?

Offenbar beginnt die EZB zu erkennen, dass das Euro-System scheitern könnte. Das offizielle Zahlungsmittel, der Euro, kommt ins Gerede. Er musste mit vielen hundert Milliarden gerettet werden. Seine Wertstabilität (Punkt 1 und Punkt 7) ist durch eine ausufernde Gelddruckerei zu Recht in Frage gestellt. Die exorbitanten Preissteigerungen (sektorale Inflation) bei Immobilien und die katastophalen Folgen der Null-Zinspolitik (Zombifizierung der Wirtschaft, Bankenprobleme) werfen ein Schlaglicht auf das Problem.

Da kann Konkurrenz in Form einer von der EZB nicht zu beeinflussenden externe Kryptowährung, gefährlich werden. Die EZB könnte deswegen eine eigene neue Währung in Stellung bringen wollen, um von der Euro-Schwäche abzulenken und sich ihren Einfluss zu erhalten oder gar auszubauen: Da fügt es sich gut, dass eine EZB-Kryptowährung eine Konkurrenz (z. B. zum Bitcoin) wäre, und die EZB-Kryptowährung der EZB ermöglicht, jede Geldbewegung nachzuvollziehen. Und Kontrolle ist Macht. Zu bedenken ist ebenso, dass bei Kryptowährungen der Staat / die Zentralbank nicht nur die komplette Kontrolle über Zahlungsvorgänge hätte, sondern zudem unbegrenzte Zugriffsmöglichkeiten erhielte, also z. B. eine Negativverzinsung (und damit eine Teil-Enteignung) lückenlos umsetzen könnte.

Mein Vorschlag: eine neue (durch Sachwerte gedeckte) DM statt ein uferloses Euro-Gemeinschaftshaftungs-Überwachungs-Rettungs-System.


[1] Focus: https://www.focus.de/finanzen/boerse/rene_will_rendite/interview-mit-waehrungsexperten-ezb-arbeitet-an-krypto-euro-hohe-strafzinsen-sind-dann-kein-problem-mehr_id_12197554.html