Zur Finanzmarktstabilität

Der neuerliche Lockdown lässt uns mit Sorge auf die Finanzstabilität blicken. Die Stabilität des Finanzsystems beruht auf der Krisenresistenz der Kreditgeber (Banken) und der Kreditnehmer. Beide sind bestimmt durch deren Finanzpolster und Ertragsstärke. Die Finanzmarktstabilität ist dann nicht gefährdet, wenn beispielsweise das Finanzpolster der kreditgebenden Banken mehr als die Ausfallrisiken der Kreditnehmer zunähme.

In der gegenwärtigen Situation ist jedoch zu befürchten, dass sowohl die Gruppe der Kreditgeber, als auch die der Kreditnehmer, an Widerstandskraft verlieren: auf dem gesamten Bankensektor sanken die Nettogewinne bereits von 18,9 (2018) auf 8,2 Mrd. Euro (2019). Dieser Trend setzt sich 2020 fort. Insbesondere kleinere Banken sind durch Kreditausfälle gefährdet. Der Grund: Sie vergeben überproportional viele Kredite an den Einzelhandel, Gastgewerbe und Klein- und Mittelständische Unternehmen, die besonders stark von Corona-Maßnahmen betroffen sind.

Die Creditreform spricht Ende 2019 von 330.000 Zombie Unternehmen und erwartet bis Ende 2020 eine Ausweitung bis auf 800.000 – das sind ca. 22 % aller deutschen Unternehmen (3,6 Mio.). Bemerkenswert ist, dass die Banken einen Anreiz haben, Zombie-Unternehmen immer neue Kredite zu geben: zum einen, weil sie dann keine Abschreibungen vornehmen müssen, und zum anderen, weil sie dann weniger Zentralbankgeldguthaben besitzen und weniger Negativ-Zinsen zahlen müssen.

Während die Immobilienbranche in den vergangenen Jahren praktisch in allen Bereichen prosperierte, ist nun eine Abschwächung speziell bei gewerblichen Immobilien zu erwarten. Der Wert der Kreditsicherheiten würde entsprechend abnehmen. Das gesamte Kreditvolumen in der EU betrug in diesem Bereich 1,6 Bio. Euro, wovon ca. 27 % auf deutsche Banken entfielen. Wertrückgänge sind insbesondere auf den Sektoren Hotel (Tourismusbranche), dem Non-Food-Einzelhandel und bei Büroflächen zu erwarten. Ob die sich dann auf tuenden Deckungslücken schmerzfrei geschlossen werden können, bleibt abzuwarten.

Die Insolvenz-Meldepflicht wurde im Rahmen der Corona-Maßnahmen bis zum 1. Oktober ausgesetzt. Gestundete Kredite müssen zurzeit nicht als Kreditausfälle ausgewiesen werden. Das bedeutet, dass die Kreditbranche nicht alle notleidenden Kredite abschreiben muss – sie schiebt Risiken vor sich her. Es ist also anzunehmen, dass sich Kreditausfälle zukünftig häufen werden. Die tatsächlichen Insolvenzrisiken wurden durch Corona-Maßnahmen, wie beispielsweise Staatshilfen und Kurzarbeiterprogramme, nur verschleiert und nicht gelöst.

Laut Creditreform sei eine Bankenkrise unvermeidbar, weil 6 % (optimistische Szenario) bis 28 % (pessimistische Szenario) der rund 1.500 deutschen Banken durch schwache Kapitalpuffer gefährdet seien.1 Das Analysehaus Oxford Economics meint, im schlimmsten Fall könnten die europäischen Banken 1 Bio. Euro an ausstehenden Krediten verlieren; das entspräche der Hälfte ihres Kapitals. Zwei Drittel der Banken könnten mit weniger Kapital dastehen als vorgeschrieben.2

Leider werden die eigentlichen Ursachen der Fehlentwicklungen meist unterschlagen: die EZB-Zinsdiktatur. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Zinshöhe die Risiken nicht widerspiegelt, und so eklatante Kapitalfehllenkungen hervorruft.

1 https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/505960/Immobilien-Wertverluste-und-Zombie-Kredite-gefaehrden-deutsche-Banken

2 https://www.welt.de/wirtschaft/article217713364/Faule-Kredite-Die-Angst-vor-einer-neuen-Bankenkrise-waechst.html