Der Effekt der befristeten Mehrwertsteuersenkung

Der SPIEGEL berichtet mit Verweis auf Schätzungen des ifo-Instituts, die vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 befristete Senkung der Mehrwertsteuer sei „ein Milliardenflop“ gewesen, und habe dreimal mehr gekostet, als genutzt.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Aussage des ifo-Instituts richtig ist. Zu bedenken ist, dass die Menschen (Konsumenten) über weite Strecken des Jahres in Angst und Schrecken versetzt wurden. In einer solchen Situation rät die Vorsicht zur Zurückhaltung (Angstsparen, Minderkonsum). Da zugleich andere ökonomische Faktoren zu einer allgemeinen Konjunkturschwäche führten, halte ich den vom ifo-Institut diagnostizierten Wachstumseffekt durch die Mehrwertsteuer für untertrieben. Insoweit erscheint mir das Urteil „Milliardenflop“ fragwürdig.

Immerhin ist die geschätzte Konsumnachfrage nicht gesunken, sondern gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 um 0,6 % gestiegen – und das trotz der massiven Einschränkungen durch den Lockdown. Um den tatsächlichen Effekt abzuschätzen, müssten die verhinderten Konsumminderausgaben berücksichtigt werden. Eine grobe Abschätzung dieses Effektes ermöglicht ein Beitrag der ZEIT vom 22.12. Demnach ist im Januar 2021 eine deutliche Konsumabschwächung gegenüber dem 2. Halbjahr 2020 zu erwarten.